Stadt Bürstadt

Offener Brief der Bürgermeisterin Barbara Schader


Kategorie: Bürstadt Stadt Rathaus

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

unsere gesamte Gesellschaft erlebt eine nie dagewesene Herausforderung. In unser aller Leben hat die Eindämmung des neuartigen Coronavirus höchste Priorität bekommen. In einer Phase der extremen Unsicherheit und vieler ungeklärter Fragen müssen wir in den nächsten Wochen und Monaten alle komplexe Entscheidungen treffen und Lösungen erarbeiten. Wir hoffen sehr, dass sich die Lage bald wieder entspannt. Zunächst aber gilt es alles dafür zu tun, die Verbreitung des Virus so effektiv wie möglich zu verlangsamen.

Wir alle stehen in diesen Tagen vor großen Herausforderungen, privat wie beruflich. Wahrscheinlich ist es nicht allzu pathetisch, wenn ich sage: Vor so einer Situation hat noch nie jemand von uns gestanden. Es gibt dafür keine Szenarien oder Notfallpläne. Wir lernen jeden Tag dazu, müssen uns revidieren, neu analysieren und entscheiden. Deshalb heißt es in diesen Zeiten noch mehr als sonst: Eine Gemeinschaft zu bilden, solidarisch, hilfsbereit, kooperativ, diszipliniert und vor allem vorsichtig zu sein.

Das Virus, das vor einigen Monaten wahrscheinlich auf einem Markt im chinesischen Wuhan seinen Ausgang nahm, ist nun auch in unserer Region angekommen, an der Bergstraße, in Bürstadt. Spätestens seit wir unsere Schulen und Kindergärten geschlossen haben, ist die Pandemie tief in das Bewusstsein der gesamten Bevölkerung gerückt. Bundes- und Landesbehörden haben eine Vielzahl von tiefgreifenden Entscheidungen getroffen, um unser aller Leben zu schützen und zu retten.

Eine besondere Belastung ist die momentane Situation für Eltern und Familien, die nicht in den Genuss der eingerichteten Notfall-Kinderbetreuung kommen und somit den Spagat zwischen Kinderbetreuung, Lehrerersatz und Berufsausübung bewältigen müssen. Viele Eltern sind somit gezwungen auf Urlaubstage oder Überstunden zurückzugreifen, um für ihre Kinder da zu sein. Um den betroffenen Familien und Elternteilen entgegen zu kommen, hat der Magistrat der Stadt Bürstadt beschlossen, die Erhebung der Beiträge in den städtischen Betreuungseinrichtungen zunächst für den Monat April auszusetzen.

Durch die Verordnungen zum Schutz unserer Bürgerinnen und Bürger mussten wir die Nutzung der städtischen Spielplätze inklusive der alla hopp!-Anlage rund um das Bürgerhaus sowie des Freizeitkicker-Geländes untersagen. Wohl wissend, dass gerade in einer Zeit, in der es den Kindern und Jugendlichen an Treff- und Freizeitmöglichkeiten aufgrund der Schul- und Kindergartenschließung mangelt. Dieser Entschluss ist uns nicht leicht gefallen, doch zur Eindämmung dieser Pandemie ist es unerlässlich, dass wir Menschenansammlungen, auch wenn es sich nicht um Risikogruppen handelt, vermeiden.

In diesem Zusammenhang haben wir auch entschieden, die bestehenden WLAN-Hotspots in der Stadt an zentralen öffentlichen Plätzen und Orten vorübergehend zu deaktivieren, um keinen Anreiz für einen Besuch zu schaffen. Ein solcher Schritt ist natürlich zunächst einmal bedauerlich. Er ist aber sinnvoll, weil er dem Ziel folgt, das Aufsuchen öffentlicher Plätze, auf deren Besuch wir in normalen Zeiten sehr stolz sind, unattraktiver zu machen.

Um Menschenansammlungen zu verhindern, haben wir darüber hinaus Veranstaltungen absagen oder verschieben müssen. Darunter auch zwei jährliche Höhepunkte wie den 25. Frühjahrsmarkt mit seinen geplanten 75 Ausstellern sowie die traditionelle Spargelwanderung zwischen dem Boxheimer Hof und dem AZ-Vogelpark in Lampertheim. Außerdem müssen leider auch viele kleinere Veranstaltungen wie die Osterausstellung des Künstlervereins und die Comedy-Auftritte des Kulturbeirates trotz mühsamer und liebevoller Vorbereitung aus den bekannten Gründen ausfallen.

Das oberste Gebot, die sozialen Kontakte zu begrenzen und nach Möglichkeit zu Hause zu verweilen, hinterlässt auch in den Geschäften, der Gastronomie oder bei Dienstleistern seine Spuren. Viele Einrichtungen mussten auf Grundlage der Verordnungen ihren Betrieb einstellen oder reduzieren. Zahlreiche Anbieter haben sich diesen neuen Herausforderungen gestellt und kurzerhand ihr Angebot um die Komponente eines Liefer- und Abholdienstes erweitert – im Handel sowie in der Gastronomie. Der Kreis Bergstraße hat eine Online-Plattform unter der Adresse www.lieferservice-kreis-bergstrasse.de etabliert, in der sich alle kreisweiten Angebote von Liefer- und Abholdiensten eintragen und finden lassen, die gerade für Betroffene aus Risikogruppen geeignet sind.

Ein weiteres Beispiel dafür, wie innovativ, kreativ und hilfsbereit Menschen in Krisenzeiten sind, verdeutlicht auch die Nachbarschaftliche Hilfe Bürstadt. Das Quartiersbüro sucht gemeinsam mit der Sozialagentur Fortuna freiwillige Helferinnen und Helfer, die für andere Bürgerinnen und Bürgern kleine Einkäufe erledigen können. Selbstverständlich werden bei diesen Botengängen alle Hygiene-Empfehlungen der Gesundheitsbehörden sowie der geforderte Personenabstandes eingehalten. Unter der neu eingerichteten Telefonnummer 0178 - 3151712 werden täglich zwischen 10 und 14 Uhr die Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern entgegengenommen. Ein weiteres schönes, ermutigendes Zeichen für das soziale Miteinander in unserer Bürgerstadt mit Herz.

Nicht nur in der nachbarschaftlichen Hilfe können sich Bürgerinnen und Bürger engagieren. Insbesondere unsere heimische Landwirtschaft leidet unter den Beschränkungen der Reisefreiheit und sucht nach Unterstützung bei der Spargel- und Gemüseernte. Interessenten und Unterstützer sind herzlich eingeladen, unsere lokalen Landwirtschaftsbetriebe zu unterstützen. Wir helfen Ihnen gerne bei der Vermittlung und Kontaktaufnahme.

Neben den personellen Engpässen der Landwirtschaft stehen viele Betriebe, Unternehmen und Selbstständige vor einer ungewissen Zukunft. Die erforderlich gewordenen Einschränkungen des öffentlichen Lebens führen nicht selten zu Auftragseinbußen, Kurzarbeit und in der Folge schließlich zu existenziellen Nöten. Die Wirtschaftsförderung Bergstraße, die Industrie- und Handelskammer Darmstadt-Rhein-Main-Neckar sowie die Handwerkskammer Frankfurt-Rhein-Main liefert den betroffenen Unternehmen nicht nur umfangreiche Informationen, sondern leisten auch ganz konkrete Unterstützung, um die von Bund und Land aufgelegten Fördermittel und Soforthilfen in Anspruch nehmen zu können.

Die Einschränkungen erfasst nicht nur das hiesige Gewerbe, sondern auch das Angebot der öffentlichen Einrichtungen sowie der Entsorger. Der ZAKB-Werkstoffhof wird vorübergehend schließen, die Plätze in Lampertheim und Heppenheim sind für Sie geöffnet. Auch die Stadtverwaltung Bürstadt wird ihre Serviceleistungen an die Erfordernisse anpassen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung stehen Ihnen weiterhin in der Zeit von 8 bis 12 Uhr, donnerstags zusätzlich von 14 bis 18 Uhr, telefonisch sowie über Email zur Verfügung. Das Bürgerbüro bleibt für wichtige Anliegen zu den vorgenannten Öffnungszeiten für Besucher geöffnet. Es wird jedoch in jedem Fall um eine telefonische Terminvereinbarung unter der Durchwahl des Bürgerbüros 701-144 gebeten. Wir werden Sie weiterhin über unsere Homepage, Aushänge und die städtischen Auftritte bei Facebook und Instagram über sämtliche Entwicklungen informieren.

     „Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihm nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.“
    Max Frisch

Sie sehen, es wurde bereits viel unternommen, um der Ausbreitung des Virus entgegenzuwirken und es haben sich viele wunderbare, sinnvolle Initiativen gegründet und gefunden, von denen ich mir wünschen würde, dass sie die Krisenzeiten überdauern. Auch wenn wir erst am Beginn eines steinigen Weges stehen, dessen Ende wir noch nicht absehen können, und Abstand halten sowie das Meiden sozialer Kontakte bedauerliche Pflichten sind, bin ich sehr zuversichtlich, dass wir ihn erfolgreich gehen werden, voller Herzlichkeit, Hilfsbereitschaft, Verständnis und Solidarität.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Ihre Arbeit, Ihr Vertrauen und Ihre Zuversicht sind das größte Kapital das wir haben, um diese Krise zu meistern. Rücksicht, Vernunft, Zusammenhalt, Verständnis, Demut und Respekt sind Werte, die mitunter in den vergangenen Jahren verlorengegangen, zumindest aber in den Hintergrund getreten sind. Insofern ist diese Krise auch die Chance für uns alle, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Dass dies Menschen rund um den Globus gerade erkennen, haben die vergangenen Tage bewiesen. Wir können aus dieser Krise lernen, uns auf das Wesentliche im Leben zu besinnen.

Mein besonderer Dank gebührt den Menschen, die in den Berufsgruppen der sogenannten „kritischen Infrastruktur“ tätig sind. Sei es in der Medizin, dem Lebensmitteleinzelhandel, den Sicherheits- und Rettungseinrichtungen oder in der Logistik: Sie alle garantieren in jeglicher Hinsicht unsere Versorgung und nicht zuletzt sie verleihen uns ein Gefühl der Sicherheit in anspruchsvollen und mitunter verwirrenden Tagen.

Ich appelliere an Sie alle, diese Menschen zu unterstützen und bin mir sicher, dass wir als Bürgerstadt mit Herz gestärkt aus dieser schweren Zeit hervorgehen.

Ihre Barbara Schader
Bürgermeisterin